Frankeninvestoren vs. Otto-Gruppe – Schnelligkeit und Herzblut führten zum Erfolg

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Ende 2009 berichtet das Handelsblatt vom „Aus“ für den Versandhandel Quelle. Vom „aussichtlosen Existenzkampf“. Dennoch taucht in diesem Zusammenhang ein Bericht über Küchen Quelle auf, der ein „Weiterleben“ attestiert wird. Als Grund dafür wird die Rettung durch vier unternehmerische Investoren aus der Region genannt. Johannes Streng (Eigentümer und Geschäftsführer der BU Holding AG), beteiligte sich gemeinsam mit Alexander Fackelmann (Eigentümer und Geschäftsführer der Fackelmann GmbH & Co. KG), als stiller Investor, während Dr. Christian Bühler (Geschäftsführer der MittelstandsInvest Dr. Bühler GmbH) neben der Investition, gemeinsam mit Dr. Bernd Warnick auch die operative Doppelspitze der Küchen Quelle bildete. Gemeinsam bekundeten sie großes Interesse daran, die Küchen Quelle als eigenständiges Unternehmen weiterzuführen.

ZW: Was war die Ursprungsidee für das gemeinsame unternehmerische
Engagement an Küchen Quelle?

Am Anfang war es ein zufälliges Zusammentreffen, auf einer Geburtstagsfeier, wo mich mein Freund Hannes Streng fragte, was ich davon halte, Küchen Quelle zu sanieren. Daraus ist dann zusammen mit Alexander Fackelmann relativ schnell die Idee entstanden, Küchen Quelle herauszulösen und für das erfolgreiche Weiterbestehen zu sorgen.

ZW: Wie hat sich diese Idee dann in Formen gießen lassen?

Viel Zeit zum Formengießen hatten wir nicht, denn wie bekannt ist, war die Gesamtgruppe Primondo insolvent. Daher hieß es rasch handeln und schnell herausfinden, mit wem welche Gespräche geführt werden müssen. Wir haben analysiert welche Werte vorhanden sind, wie zukunftsträchtig und wie tragfähig das Modell Küchen Quelle ist und was sich genau herauslösen lässt.

Schon nach wenigen Tagen sind wir mit dem Insolvenzverwalter zusammengekommen und haben unser Interesse bekundet. In dieser Phase kam plötzlich die Meldung, dass die OTTO-Gruppe die gesamten Markenrechte an Quelle kauft. Was natürlich bei uns die Frage aufwarf, wie in diesem Zusammenhang das Thema Küchen Quelle zu handhaben sei? Diese Frage konnte der Insolvenzverwalter, als unser Ansprechpartner und als Verkäufer nicht beantworten, woraufhin wir kurzerhand ins Flugzeug gestiegen und zu OTTO geflogen sind. In dem gemeinsamen Gespräch wurde relativ schnell deutlich, dass der Name Küchen Quelle separat gehandelt wird und nicht übernommen werden sollte.

Daraufhin setzten wir unsere Aktivitäten mit erneutem Schwung fort. Plötzlich meldete sich die OTTO-Gruppe und meinte: „Eigentlich hatten wir bisher kein Interesse, aber nachdem wir euer Bemühen gesehen haben, schauen wir uns die Küchen Quelle doch nochmal an“. Das hat bei uns erstmal zu einer schlaflosen Nacht geführt. Dann haben wir allerdings beschlossen, dass es jetzt um Geschwindigkeit geht. Sechs Tage später haben wir dem Insolvenzverwalter ein konkretes Angebot unterbreitet mit dem klaren Statement, dass wir uns daran eine Woche gebunden halten und nicht länger.

Christian Bühler hat nach seinem Studium der Betriebswirtschaft mit anschließender Promotion zunächst in der Unternehmensberatung, u.a. bei der The Boston Consulting Group sowie in der Geschäftsleitung und Geschäftsführung einiger mittelständischer Unternehmen gearbeitet. Seit 2005 betreibt Dr. Bühler seine eigene Beteiligungsgesellschaft, die sich auf die Übernahme und Sanierung von Unternehmern in der Krise spezialisiert hat. Er beteiligt sich allerdings auch an zukunftsträchtigen Unternehmen des Mittelstandes und des E-Commerce. Er lebt in Zirndorf, ist verheiratet und hat 2 Töchter im Alter von 15 und 17 Jahren. Neben seinem beruflichen Engagement ist er weiterhin in der IHK und verschiedenen wirtschaftlich und gesellschaftlich engagierten Vereinigungen aktiv. Seine Hobbys sind die Familie, die Jagd, Golfen, Reisen und die Natur genießen.

Im Grunde hatten wir täglich Kontakt. Es ging darum, den Zeitdruck bewusst aufzubauen, weil das ganze Gerüst wackelt, wenn in einer Nachinsolvenz nicht schnell gehandelt wird. Zweitens war uns klar, dass wir ein Angebot einer Gruppe wie OTTO nie überbieten können. Also haben wir uns lieber darauf konzentriert mit den richtigen Personen schnelle Gespräche zu führen und, um zu zeigen, dass wir handeln und Mitarbeiter halten wollen.

ZW: Was war Ihrer Meinung nach der Grund, dass die Frankeninvestoren die Zusage erhielten?

(lächelt) Man hat uns hausintern den Namen „Frankeninvestoren“ gegeben, weil es verschiedene Interessenten gab, eine holländische Gruppe und die OTTO Gruppe. Wie so häufig ist es natürlich ein Spannungsfeld - eine Mischung aus verschiedenen Gründen. Zum einen haben wir das Geschäftskonzept verstanden und sehr schnell gewusst, wie wir weitermachen wollen. Wir hatten die Mitarbeiter für uns gewonnen, weil wir „greifbar“ waren. Ich war jeden Tag vor Ort und man hat uns unser Konzept geglaubt. Außerdem haben wir sehr schnell reagiert und nicht erst monatelange Prüfungen laufen lassen, denn in einer Übernahme aus der Nachinsolvenz haben die meisten Vergangenheitsthemen sowieso keine Relevanz mehr. Sie müssen ein Gefühl dafür haben, ob die Zukunft tragfähig ist. Das Argument der Mitarbeiterübernahme war dann in der Gläubigerversammlung ein schlagkräftiges Argument, das für uns sprach. Wir konnten glaubhaft versichern, dass wir die Mitarbeiter am Standort Nürnberg halten und den Kern von Küchen Quelle bewahren wollen und nicht nur den Namen herauslösen. Aufgrund der Erfahrung der Übernahme des Namens Quelle durch die OTTO-Gruppe, bei der keine Mitarbeiter übernommen wurden und die Firma zerschlagen wurde, hat man uns den Vorzug gegeben, insbesondere stimmten die Arbeitnehmervertreter für uns.

ZW: Was waren Ihrer Meinung nach die Hauptfaktoren für den beeindruckenden
Erfolg von Küchen Quelle nach der Übernahme?

Die Küchen Quelle hatte von vornherein eine gute Position, auch noch innerhalb der Primondo Gruppe und hat dort auch, soweit wie wir es zurückverfolgen konnten, immer positive Ergebnisse eingefahren. Küchen Quelle war in sich vom Kern solide und die Prozesse haben funktioniert und waren aus dem großen System heraustrennbar. Der Erfolg war dann natürlich eine Mischung aus dem Beibehalten des bestehenden Konzeptes und motivierter Mitarbeiter, die hier eine große Chance gesehen haben. Wir waren alle mit unserem privaten Geld eingestiegen. Außerdem waren Dr. Warnick, der als Garant für die Fortführung der operativen Tätigkeiten galt, und ich ständig präsent. Das zusammen hat dazu geführt, dass eine Abteilung in ein mittelständisches Unternehmen umgewandelt wurde. Dieses mittelständische Unternehmen konnte sehr schnell und schlagkräftig agieren, nicht zuletzt haben wir auch gute Produkte, gute Prozesse und gute Mitarbeiter,
dass darf man nicht vergessen. All dies zusammen war dann die Synthese, die uns relativ schnell auf einen Erfolgskurs gebracht hat.

ZW: Was ist dann passiert?

Wir mussten natürlich sehr viel ändern. Es gab zum Beispiel das Mutterschiff Quelle nicht mehr. Der positive Name war nun auch mit der Insolvenz belegt. Der große Katalog mit einer Auflage von über 6 Mio. in dem Küchen Quelle mitbeworben wurde, zu praktisch marginalen Werbekosten, war weg. Die treue Kundschaft die über lange Jahre bei Quelle gekauft hat, war weg. Somit mussten wir das Konzept natürlich rein von der Kundenansprache und von der werblichen Ansprache komplett umstellen. Mehr als die Hälfte unserer Kunden sprechen uns heute über das Internet an. Vor fünf Jahren war diese Ansprache nicht wirklich messbar.

ZW: Wie intensiv war die Regelungsintensität zwischen den Co-Investoren?

Wir mussten natürlich einen sehr komplexen und auch juristisch abgesicherten Prozess durchlaufen. Es wurde nicht in dem Umfang dokumentiert, bewiesen und in drei Sprachen übersetzt, wie es bei anderen Investments notwendig ist. Das hat aber dazu geführt, dass wir praktisch nach dreieinhalb Wochen den Vertrag unterschrieben haben. Von der Erstidee bis zur Unterschrift, was ansonsten gar nicht gehen würde. Das „Drumherum“, wie etwa die Gründung einer doppelstöckigen GmbH, die Satzung, die Geschäftsordnungen oder auch Verträge wurden alle hochprofessionell mit unseren Beratern zusammen entwickelt und auch über den gesamten Zeitraum hinweg begleitet.

ZW: 2014 erfolgte dann sozusagen der Exit, das heißt Sie haben verkauft. Was hat sie dazu bewogen?

Im Dezember 2014 wurde die Küchen Quelle an eine Holding, die einen Wettbewerber als Startup gegründet hatte, verkauft. Die Kombination der Abwicklungskompetenzen aus 36 Jahren Erfahrung der Küchen Quelle plus die Umsetzungsgeschwindigkeiten eines Startup-Unternehmens hat uns überzeugt. Wir sahen die Zukunftsträchtigkeit dieses Konzepts und die Vorteile einer Fusion, die heute noch schlagkräftiger ist als vorher. Das hat uns so überzeugt, dass wir uns alle gemeinsam an der Holding beteiligten, somit sind wird noch dabei, halten aber nicht die Mehrheit.

ZW: Hätten Sie zum Schluss noch Tipps für Unternehmer, die überlegen in ein anderes Unternehmen zu investieren?

Also ganz allgemein gesagt, er sollte es nicht alleine tun. Wenn man anfängt in ein Unternehmen zu investieren, macht es Sinn, wenn man sich einer Investorengruppe oder einer Firma, die dieses Geschäft professionell betreibt, anschließt und versucht dort in dem Investorenkreis mitzuwirken, denn sie müssen hier auf der Klaviatur viele Noten beherrschen.

Sie müssen das Unternehmen identifizieren, sie müssen die Prüfungen übernehmen und Prozesse durchlaufen. Sie müssen das gesamte Vertragswerk im Griff haben, die Verhandlungen führen und die Finanzierung abwickeln. Des Weiteren müssen sie dafür sorgen, dass die gesamte Finanzierung auch langfristig steht und nicht nur Teile davon. Sobald sie sich beteiligt haben, geht es darum, das Unternehmen zu entwickeln. Entweder mit eigenem Zutun der Investoren, oder des Managements, oder einer Gruppe die sich darum kümmert und auch hier braucht man professionelle Zusammenarbeit. Der Prozess des Übernehmens ist irgendwann abgeschlossen, aber dann beginnt die eigentliche Arbeit. Der Prozess des Entwickelns. Niemand konnte uns am Anfang sagen, ob am ersten Tag der Übernahme auch nur eine einzige Küche verkauft werden würde. Ebenso ist auch, soweit dies vorgesehen ist, der spätere Ausstieg zu bedenken. Ein Käufer muss identifiziert werden, die ganzen Verhandlungen müssen geführt und die Prozesse professionell abgewickelt werden. Auf den Punkt gebracht, wenn jemand in ein Unternehmen investieren will, macht es sicherlich Sinn über ein Co-Investment nachzudenken. Außerdem muss man
sich über die Rolle klar werden, die man einnehmen möchte (Mehrheitsgesellschafter oder als reiner Investor) und sich selbst die Frage stellen, ob man die Prozesse beherrscht oder sich hierzu besser die geeignete Unterstützung holt. Insgesamt ist es sicherlich sinnvoll bei der Vermögensallokation auch an Private Equity zu denken.

ZW: Herzlichen Dank für das Gespräch.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Ausgabe  "Unternehmer investieren mit Unternehmern in Unternehmer" unseres Dialogmagazins für Unternehmerfamilien - ZusammenWachsen - zu Co-Investments (2015). Hier geht es zum Download.

Firmengeschichte Küchen Quelle

Küchen Quelle ist ein Handelsunternehmen für Einbauküchen mit deutschlandweit flächendeckendem Direktvertriebsnetz und 5 stationären Einheiten – überwiegend im süddeutschen Raum. Das Traditions-Unternehmen wurde am 20.11.2009 in Nürnberg von damals vier Gesellschaftern (fränkische Investorengruppe) als GmbH gegründet. Dabei handelte es sich um die Herauslösung und Fortführung der 1978 eingeführten Direktvertrieb-Küchensparte der insolventen Quelle GmbH. Das vorhandene Fachpersonal wurde weitgehend übernommen. Somit reicht der eigentliche Firmenursprung bis 1978 zurück und ist eng mit der Geschichte des ehemaligen Versandhauses Quelle verbunden. Im Dezember 2014 wurde Küchen Quelle in die neu gegründete Kiveda Holding GmbH eingegliedert, gemeinsam mit der ebenfalls weiterhin eigenständig geführten Marke Kiveda. In den neuen Gesellschaftern der Kiveda Holding GmbH finden sich weiterhin alle bisherigen Gesellschafter der Küchen Quelle wie auch von Kiveda sowie weitere, neue Investoren. Standort der Küchen Quelle ist weiterhin Nürnberg. Küchen Quelle vermarktet deutschlandweit Einbauküchen im Direktvertrieb mit rund 100 mobilen Küchenfachberatern. Diese planen und verkaufen Küchen beim Kunden zuhause nach vorheriger Terminvereinbarung. In Süddeutschland werden auch stationäre Küchenfachmärkte betrieben in den Städten Augsburg, Frankfurt, Freiburg, Nürnberg und Regensburg. Küchen Quelle verkaufte in Deutschland im Geschäftsjahr 2013/2014 rd. 7.500 Küchen im mittleren bis hohen Preissegment. Neben dem speziellen Service der „Zuhause Beratung und Planung“ legt der Fachspezialist besonderes Augenmerk auf hohe Qualität. So sind z.B. alle Küchen „made in Germany“ mit 5 Jahren Garantie neben dem „Rundum Glücklich Service“, der von der Planung bis zur perfekten Montage reicht. Großes Wachstumspotential wird vor allem noch im eCommerce gesehen. So wurde Küchen Quelle 2014 auch mit dem Service Champion Siegel ausgezeichnet von Service value / Die Welt: „Nr. 1 im Online Küchenhandel“.

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